Viagra (Sildenafil)

Die kleinen blauen Pillen – jeder kennt sie. Doch was ist Viagra eigentlich?

Was viele nicht wissen: Der eigentliche Wirkstoff des Medikaments heißt Sildenafil. Seit 1998 wird der Arzneistoff unter dem Markennamen “Viagra” vertrieben. Sildenafil ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig. Es war der Vorreiter in der Wirkstoffklasse der PDE-5-Hemmer. Das Medikament wird zu vielfältigen Verwendungszwecken eingesetzt.

Erektile Dysfunktion bei Männern

Am bekanntesten ist der Einsatz gegen erektile Dysfunktionen (Erektionsstörungen) beim Mann. Viele Jahre lang glaubte man in der Medizin, Erektionsstörungen seien ausschließlich auf psychische Störungen zurückzuführen. Man riet den Männern, stressige Alltagssituationen zu meiden. Mehr konnte man nicht für sie tun. Doch die Mediziner lagen falsch. Es gab tatsächlich ein Medikament gegen erektile Dysfunktionen. Der Name dieses Heilmittels, das vielen Männern neuen Mut gab, war Viagra.

Der Wirkstoff Sildenafil ermöglichte es Männern von nun an, eine Erektion zu bekommen und diese während der gesamten Dauer des Geschlechtsverkehrs aufrechtzuerhalten. Dies geschieht nur, wenn der man sexuelle Erregung verspürt. Das hatte man bis dato nicht gekannt: es war bisher nur möglich gewesen, eine relativ unkontrollierte Erektion hervorzurufen.

Die Dauer und das Ausmaß einer Reaktion hängen von zwei Faktoren ab: dem Blutzufluss und Blutabfluss im Schwellkörper des Penisses. Ringförmige Muskeln in der Arterienwand des Corpus cavernosum sind verantwortlich für die Steuerung der Blutzufuhr. Wird der Mann sexuell erregt, öffnen sich diese Muskeln und ermöglichen somit ein Anschwellen des Glieds.

Bevor dies geschieht, bildet sich in den betreffenden Muskelzellen cGMP (zyklisches Guanosinmonophosphat). Bei Männern, die an Erektionsstörungen leiden, können keine ausreichenden Mengen cGMP gebildet werden. Das Wenige, was sie an cGMP produzieren, wird durch sogenanntes PDE-5 (Phosphodiesterase-5) blockiert. Dieses Enzym spaltet das ohnehin knapp bemessene cGMP. Nun kommt Sildenafil ins Spiel: es blockiert die Bildung von PDE-5 und verhilft so dem betroffenen Mann selbst dann zu einer Erektion, wenn er nur wenig cGMP bildet.

Sexuelle Funktionsstörungen bei Frauen

Lange Jahre war es geplant, Sildenafil auch an die Bedürfnisse von Frauen anzupassen. Nachdem Studien an 3000 Frauen, die an sexuellen Funktionsstörungen litten, keinerlei brauchbare Ergebnisse geliefert hatten, wurde dieses Vorhaben vorerst verworfen. Bisher ist es noch nicht geklärt, ob es je ein “Viagra für Frauen” geben wird.

Idiopathische pulmonal-arterielle Hypertonie

Pulmonal-arterielle Hypertonien entstehen durch einen Anstieg des Gefäßwiderstandes. Dadurch kommt es zu Bluthochdruck. Unter dem Namen “Revatio” soll Sildenafil auch hier Abhilfe schaffen. Die Behandlung mit Sildenafil ist allerdings umstritten, da sich gesetzliche Regelungen und optimale Therapieempfehlungen widersprechen.

Viagra findet auch bei Sklerodermie und Höhenkrankheit Anwendung.

Mögliche Nebenwirkungen

Auch bei dem Wundermittel Viagra sind einige Nebenwirkungen dringend zu beachten. Die Einnahme kann zu Hypertonie (Bluthochdruck), Muskelschmerzen, Sehstörungen (z.B. erhöhte Lichtempfindlichkeit), Kopfschmerzen, Rötungen, Schwindel, Ohnmacht, Herzrasen und -infarkt, Hirnblutungen und Dyspepsie (Verdauungsstörungen) führen. Diese sind oftmals dadurch bedingt, dass durch das Einnehmen von Viagra nicht nur der Blutfluss im Penis verstärkt wird, sondern der des ganzen Körpers.

Die unsachgemäße oder überdosierte Einnahme kann außerdem Priapismus (Dauer-Erektion) auslösen. Diese ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch zum Absterben des Penisgewebes führen.
Aufgrund all dieser Nebenwirkungen ist es äußerst wichtig, das Medikament nur dann einzunehmen, wenn es von einem Arzt verordnet wurde. Zwar ist es verschreibungspflichtig, doch im Internet finden sich viele Anbieter, die Viagra auch ohne Rezept verkaufen. Auf diese Angebote sollte auf keinen Fall zurückgegriffen werden, da hier das Risiko besteht, verunreinigte und gefälschte Arzneistoffe zu erstehen.

Man kann festhalten, dass Viagra bei sachgemäßer Einnahme den Lebensstandard vieler Männer erheblich bessern kann. Es ist nicht umsonst eines der begehrtesten Medikamente – und das auf der ganzen Welt.