Microgynon

Allgemeiner Überblick

Das Arzneimittel ist ein verschreibungspflichtiges so genanntes kombiniertes orales Kontrazeptivum, das heißt ein Mittel zur hormonellen Empfängnisverhütung.

Vor Beginn der Einnahme ist daher durch den verschreibenden Arzt oder die Ärztin eine
sorgfältige Eigen- und Familienanamnese (Vorkommnisse von eigenen Krankheiten und von Krankheiten in der Familie) sowie eine gründliche allgemeine und gynäkologische Untersuchung der Patientin vorzunehmen und eine bestehende Schwangerschaft auszuschliessen. Während der Anwendung sollten ärztliche Kontrolluntersuchungen in etwa halbjährlichen Abständen erfolgen.

Microgynon ist eine Kombination aus den Wirkstoffen Ethinylestradiol (0,03 mg) und Levonorgestrel (0,15 mg) und enthält weiter die arzneilich nicht wirksamen Bestandteile Calcium carbonat, Eisen (III) hydroxid oxid x-Wasser, Glycerol 85%, Lactose 1-Wasser, Macrogol 6000, Magnesium stearat, Maisstärke, Montanglycolwachs, Povidon 700000, Povidon K25, Saccharose, Talkum und Titandioxid.

Wirkung

Hauptsächlich wird Microgynon zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt, kann aber auch zur Normalisierung von Zyklusstörungen verwendet werden.

Bei vorschriftsmäßiger Anwendung bietet das Medikament auf mehrfache Weise Schutz vor einer unerwünschten Schwangerschaft indem es die Heranreifung eines befruchtungsfähigen Eies dadurch verhindert, dass es dem Körper das Bestehen einer Schwangerschaft vortäuscht. Außerdem bewirkt es die Verdickung des Schleims im Gebärmutterhals verdickt, so dass das Aufsteigen männlichen Samens deutlich erschwert wird. Weiterhin wird die Schleimhaut der Gebärmutter nicht für das Eintreten einer Schwangerschaft vorbereitet. Dies bedeutet einen dreifachen Schutz vor einer Schwangerschaft.

Der Empfängnisschutz beginnt sofort mit dem 1. Einnahmetag und besteht auch während der monatlichen 7tägigen Einnahmepausen.

Einnahmefehler, Erbrechen oder Durchfall, individuelle Stoffwechselstörungen oder die gleich‐
zeitige längere Einnahme anderer Arzneimittel (siehe unter „Wechselwirkungen“) können die Wirkung beeinträchtigen.

Bei dem Wechsel von einem anderen hormonalen Empfängnisverhütungsmittel oder kurz nach einer Entbindung oder Fehlgeburt muss zunächst der behandelnde Arzt oder die Ärztin befragt werden.
Während der Stillzeit sollte Microgynon nicht eingenommen werden, da es die Qualität und auch die Quantität der Muttermilch beeinträchtigen kann.

Dosierung

Jede Packung enthält 21 Tabletten, wobei jeden Tag möglichst um die gleichen Zeit ab dem ersten Zyklustag eine Tablette einzunehmen ist. Danach folgt eine siebentägie Einnahmepause, in der dann die sogenannte Entzugsblutung stattfindet. Nach dieser Pause beginnt die Tabletteneinnahme mit der nächsten Packung. Der erste Zyklus wird dadurch etwas verkürzt sein, alle folgenden Zyklen werden aber wieder vier Wochen dauern.

Ist die Tabletteneinnahme einmal vergessen worden, so ist sie innerhalb von maximal 12 Stunden nachzuholen. Wird die Tablette später eingenommen, kann die empfängnisverhütende Wirkung in diesem Zyklus verringert sein. Die Einnahme aus der angebrochenen Packung ist aber unter Auslassen der vergessenen Dragees trotzdem termingerecht fortzusetzen. Zusätzlich sind aber andere, nichthormonale Methoden der Empfängnisverhütung (mit Ausnahme der Methode nach Knaus-Ogino und der Temperaturmethode) anzuwenden.

Gegenanzeigen

Microgynon darf nicht angewendet werden bei:

bestehendem oder vorausgegangenem Verschluss einer Arterie durch ein Blutgerinnsel (z.B. Herzinfarkt) und dessen Vorstufen
bekannter Anfälligkeit für Thrombosen (wie APC-Resistenz, Protein-C-Mangel, Herzklappenerkrankungen oder Herzrhythmusstörungen)
vorausgegangenem Schlaganfall
Tabakkonsum (Rauchen)
nicht kontrollierter Bluthochdruck
Diabetes mellitus mit Gefäßveränderungen
bestehende oder vorausgegangene Entzündung der Bauchspeicheldrüse, wenn diese mit einer starken Erhöhung der Triglyzeridwerte (Hypertriglyzeridämie) einhergeht
bestehende oder voarausgegangene Lebererkrankungen, solange sich die Leberfunktion nicht normalisiert hat
bestehende oder vorausgegangene Lebertumore
bekannte oder vermutete bösartige Tumoren, deren Wachstum von Sexualhormonen (wie Östrogen) abhängt (z.B. hormonabhängiger Brustkrebs)
nicht abgeklärte Scheidenblutungen
nicht abgeklärtes Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe)
Überempfindlichkeit gegen einen der Wirkstoffe oder sonstigen bestandteile von Microgynon

Bei den folgenden Erkrankungen ist die Anwendung zwar möglich, muss jedoch ärztlich durch laufende Kontrolle der entsprechenden Laborwerte beaufsichtigt und gegebenenfalls abgebrochen werden:

Brustkrebs in der Familie (Verwandtschaft ersten Grades)
zuvor aufgetretene Venenentzündungen
Erniedrigung des Blutkalziumspiegels
leichtere Fettstoffwechselstörungen oder erhebliches Übergewicht
Erkrankungen der Brustdrüse
Endometriose und gutartige Gebärmuttertumore
Neigung zu Krampfadern
Lupus erythematodes
Blutdruckanstieg
vorausgegangene leichtere Leber- und Gallenblasenerkrankungen
Asthma
Epilepsie
Depressionen
Veitstanz
schweren Leberfunktionsstörungen und Störungen der Gallenausscheidung, bei akuten und fortschreitenden Lebererkrankungen, vorausgegangenen oder bestehenden Lebergeschwülsten MS
Erkrankungen des Auges, die auf einen erhöhten Blutdruck zurückzuführen sind (Verschluss der zentralen Netzhautvene, plötzlicher Sehverlust, Hervortreten des Augapfels, Doppelbilder-Sehen oder Papillenödem)

Verwendung von Kontaktlinsen.

Nach einer Leberentzündung sollte die Behandlung mit Microgynon nicht vor Ablauf eines halben Jahres begonnen werden.

Die Einnahme von Microgynon begünstigt die Entstehung von Thrombosen, die zu gefährlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können. Diese Gefahr kann durch zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Störungen der Blutgerinnung oder des Fettstoffwechsels sowie vorausgegangene Gefäßverschlüsse und eine längere Ruhigstellung (wie zum Beispiel Bettlägerigkeit) weiter erhöht werden.

Das Risiko für Gerinnselbildung in Venen und Arterien erhöht sich bei:

zunehmendem Lebensalter
Tabakkonsum; das Risiko für Durchblutungsstörungen in Herz oder Gehirn (Herzinfarkt/Schlaganfall) erhöht sich zusätzlich mit zunehmendem Alter und starkem Rauchen. Deshalb sollten Sie nicht rauchen, besonders wenn Sie älter als 35 Jahre alt sind. Informieren Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin unbedingt über Ihre Rauchgewohnheiten.
früherem Auftreten einer Venenthrombose, Lungenembolie, eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls bei einem Geschwister- oder Elternteil;
erheblichem Übergewicht (Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Sie diesbezüglich informieren);
Störungen des Blutfett(Lipid)-Stoffwechsels;
Bluthochdruck (insbesondere bei schwer einstellbarem Bluthochdruck);
bestimmten Herzkrankheiten (Herzklappenerkrankungen, Vorhofflimmern);
Blutgerinnungsstörungen.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen können auftreten, müssen es aber nicht, da jeder Mensch anders auf Medikamente reagiert. Beachten Sie bitte, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Darreichungsform des Medikaments (zum Beispiel Tablette, Spritze, Salbe) variieren können. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion verspüren, informieren Sie sofort Ihren Arzt oder Apotheker.

Eher häufig sind:

Scheidenentzündung
Stimmungsschwankungen (inkl. Depressionen)
Änderungen der Libido
Nervosität
Benommenheit, Schwindel, Sehstörungen
Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
Brustschmerzen, empfindliche Brüste, Brustvergrößerung, Abgabe von Sekret aus der Brustdrüse
Veränderung des Regelflusses, Ausbleiben der Regelblutung
Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), Gewichtsveränderung (Zu- oder Abnahme).

Gelegentlich treten auf:

Änderungen des Appetits (Zu- oder Abnahme)
Durchfall, Bauchkrämpfe, Blähungen
Ausschlag, braune Gesichtsflecken (Chloasma oder Melasma)
Verstärkte, dem männlichen Behaarungstyp entsprechende Körperbehaarung (Hirsutismus).

Wechselwirkungen

Die empfängnisverhütende Wirkung von Microgynon kann durch die gleichzeitige Einnahme bestimmter Wirkstoffe abgeschwächt beziehungsweise aufgehoben werden. Bei zuckerkranken Patientinnen ist in Betracht zu ziehen, dass sich durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel ihr Bedarf an blutzuckersenkenden Arzneimitteln ändern kann.

Ebenso kann die gleichzeitige Einnahme eines Johanniskrautpräparats (Hypericum) gegen Depressionen empfängnisverhütende Wirkung von Microgynon beeinträchtigen. In diesem Fall kann es daher nicht nur zu Zwischenblutungen, sondern eben auch zu unerwünschten Schwangerschaften kommen.

Umgekehrt kann auch Microgynon® die Wirksamkeit anderer Arzneimittel beeinflussen. Das gilt zum Beispiel für Cyclosporin (hemmt das Immunsystem, etwa nach Transplantationen), Glukokortikoide (“Kortison”), das Schmerzmittel Paracetamol und einige Benzodiazepine (Beruhigungs- und Schlafmittel) sowie Insulin.

Die Anwendung kombinierter oraler Verhütungsmittel wie Microgynon® kann das Ergebnisse bestimmter Labortests beeinflussen, etwa bei der Bestimmung von Leber- und Schilddrüsenfunktion sowie der Blutgerinnung.

Warnhinweise & Vorsichtsmaßnahmen

Die Einnahme oraler hormoneller Kontrazeptivaschützt weder vor HIV-Infektionen oder avor nderen sexuell übertragbaren Krankheiten.

Patientinnen mit einer Galaktose-Unverträglichkeit, Laktase-Mangel oder Glukose-Galaktose-Aufnahmestörungen sollten das Medikament nicht einnehmen, da es Milchzucker enthält.

Jedes Arzneimittel kann eine allergische Reaktion auslösen. Achten Sie daher bei Beginn der Einnahme bei sich auf das Auftreten von Hautrötungen, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen oder, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zu einem allergischen Schock kommen. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie bitte umgehend einen Arzt.